Hauptausstellung

Interessante Einblicke in die brandenburgisch-preußische Geschichte

Sonderausstellung

(K)ein Kinderspiel - Spielzeug als Spiegel der Industrialisierung

 vom 21. März bis 5. Dezember 2021

Kaiserstandarte von 1918

Beidseitig farbig bedrucktes, gefüttertes Tuch. Über gelbem Grund ein Eisernes Kreuz mit der Jahreszahl 1870, gekrönter Wappenschild mit Reichsadler und umlaufender Kollane des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, in den Winkeln jeweils eine Kaiserkrone und drei Reichsadler.

Am Samstag den 9. November 1918 gibt Reichskanzler Max von Baden in Berlin gegen 12 Uhr eigenmächtig die Meldung an die Presse, der Kaiser habe sich zum Thronverzicht entschlossen. Gegen 14 Uhr ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages die "Deutsche Republik" aus. Der Kaiser in seinem Hauptquartier in Spa/Belgien reagiert abwechselnd mit heftigen Wutausbrüchen uns völliger Apathie. Gegen 22 Uhr erreicht ihn die Nachricht, die Meuterei der Truppen habe auch Spa erreicht. Auf Drängen Hindenburgs entscheidet er sich zur Flucht am nächsten Morgen ins nur 50 km weit entfernte neutrale Holland.

Der Fahrer des Kaisers wird am Sonntag den 10. November um 2 Uhr geweckt und erhält Anweisung, den Wagen bis 5 Uhr reisefertig zu machen, alle kaiserlichen Kennzeichen sind zu entfernen. Während der Hofzug zum Schein ebenfalls den Bahnhof Spa verläßt, besteigt der Kaiser in der Furcht, bei der Durchfahrt des Lütticher Bahnhofes von Revolutionären gefangen genommen zu werden, sein Kfz und begibt sich in einer Kolonne von 10 Fahrzeugen zur niederländischen Grenze bei Eijsden. Er läßt als "einfacher Privatmann" um Gastaufenthalt bitten, der ihm nach sechsstündiger Wartezeit gewährt wird. Die holländische Königin Wilhelmina, die erst vor einem halben Jahr erfolgte brutale Ermordung der russischen Zarenfamilie vor Augen, unterstütze das Gesuch, da sie dem Kaiser ein ähnliches Schicksal unter allen Umständen ersparen wollte. Von diesem Zeitpunkt an lebte er noch 23 Jahre, ein Viertel seines Lebens, in den Niederlanden.

Die Standarte an seinem Wagen händigte der Kaiser beim Grenzübertritt einem jungen belgischen Offizier aus. Sie kam nach 80 Jahren über Den Haag, New York und München in den Besitz des Brandenburg-Preußen Museums. Sie symbolisiert das Ende der Hohenzollern-Dynastie und findet sich folglich ganz am Ende der Museumsausstellung.