Hauptausstellung

Interessante Einblicke in die brandenburgisch-preußische Geschichte

Sonderausstellung

[K]ein Kinderspiel - Spielzeug als Spiegel der Industrialisierung

vom 22. Februar bis 11. Dezember 2022

Purpurschnecken und synthetischer Farbstoff zur Herstellung der Farbe Rot

Zwei Purpurschnecken (Hexaplex trunculus) aus dem Mittelmeer und zwei Farbgläser aus den Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co. (heute Bayer AG) im zur preußischen Rheinprovinz gehörenden Elberfeld (heute Wuppertal).

Natürliche Farbstoffe waren kostbar. Schon im Mittelalter waren Pflanzenfarben wie Färberwaid (Indigoblau), Krapp (rot) und Reseda (gelb) wichtige Handelsgüter im Heiligen Römischen Reich. Am kostbarsten war das Purpurrot der Könige und Fürsten. Für das Färben von 1 kg Wolle wurden 8.000 Purpurschnecken benötigt. Aus Mexiko haben die Spanier im 17. Jahrhundert die roten Schildläuse als Färbemittel eingeführt. Cochenillerot oder Karminrot aus getrockneten und gemahlenen Läusen färbte die Roben der römisch-katholischen Kardinäle und bis 2003 auch den Campari.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es in London dem deutschen Chemiker Wilhelm von Hofmann (1818–1892) und seinem 18-jährigen Schüler William Henry Perkin (1838–1907), aus Steinkohlenteer, einem Abfallprodukt des Bergbaus, das leuchtend violette Mauvein und das Fuchsin zu gewinnen, einen Farbstoff, der ein strahlendes Magenta erzeugt. Ihre Recherchen bauten auf den Forschungen von Ferdinand Runge (1794–1867) in Oranienburg auf, der in den 1830er Jahren das Anilin und die beiden ersten Teerfarbstoffe, das Anilinschwarz und den roten Farbstoff Aurin, entdeckt hatte.

Die bahnbrechende Erfindung der Teerfarben führte zu einer Gründungswelle chemischer Unternehmen in Deutschland. 1880 gab es bereits über 1.000 Chemieunternehmen in Deutschland, die sich mit der Herstellung von Farben befassten, die meisten an Rhein und Ruhr. Darunter die Bayer AG, gegründet 1883 in Wuppertal und die BASF, gegründet 1865 in Mannheim, heute das größte Chemie-Unternehmen der Welt. Zum ersten Mal konnten Farbstoffe zu erschwinglichen Preisen hergestellt werden und teure Naturfarben ersetzen. Deutschland wurde zum größten Farbenexporteur der Welt. Sogar die roten Uniformhosen der französischen Armee wurden bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges mit deutschen Stofffarben gefärbt.