Hauptausstellung

Interessante Einblicke in die brandenburgisch-preußische Geschichte

Lieblingsobjekt 1

Ein evangelischer Pfarrer im 18. Jahrhundert erforscht Insekten und Arzneikräuter

– und erfindet die Waschmaschine

Jacob Christian Schaeffer (* 1718 in Querfurt,† 1790 in Regensburg, evangelischer Pastor, Superintendent, Extraordinarius, Botaniker, Mykologe, Entomologe, Ornithologe und Erfinder) wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Er erhielt Unterricht in Querfurt und Glaucha sowie danach auf dem Gymnasiumvon Greiz. 1735 wurde er in die Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle aufgenommen. Er lebte von der ,,mensa ambulatoria“ und der Kurrende. Das war ein Schulchor, der für das öffentliche Singen geistlicher Lieder Almosen erhielt. Schaeffer gab außerdem Nachhilfeunterricht an der Magdleinschule der Stiftungen. Auf diese Weise ermöglichten die Franckeschen Anstalten armen, aber fleißigen und begabten Jugendlichen eine akademische Ausbildung. Von 1736 bis 1738 studierte er evangelische Theologie an der Universität Halle, allerdings ohne einen förmlichen Abschluss. Von Halle zog er nach Regensburg, wo er sich zunächst als Hauslehrer verdingte. 1739 hielt er in Regensburg seine erste Predigt. Obwohl er das Studium nicht abgeschlossen hatte, nicht aus Bayern stammte und damit als Fremder galt, wurde er 1741 in der Regensburger Neupfarrkirche ordiniert; er übernahm das Amt eines Predigers und Extraordinarius. 1760 verlieh ihm die Universität Wittenberg den Doktortitel der Philosophie und erst 1763 wurde er von der Eberhard Karls Universitat Tübingen zum Doktor der Theologie promoviert. In seiner Amtszeit hatte er öfter Auseinandersetzungen politischer und theologischer Art, wegen Fragen des kirchlichen Kurses, vor allem aber wegen seiner zahlreichen Nebentatigkeiten. 1779 folgte seine Ernennung zum Superintendenten der evangelischen Gemeinde und zum Pastor der Neupfarrkirche.

In Regensburg begann Schaeffer eine intensive Forschertätigkeit auf den Gebieten der Botanik, der Mykologie (Pilzkunde) und der Entomologie (Insektenkunde). 1759 erschien seine Erleichterte Artzney-Kräuterwissenschaft, ein praktisches Handbuch für Ärzte und Apotheker über Heilkräuter und -pflanzen. 1762 bis 1764 folgten die Natürlich ausgemahlten Abbildungen baierischer und pfälzischer Schwämme, welche um Regensburg wachsen, in vier Bänden mit zahlreichen kolorierten Abbildungen. Wegen der Systematik, mit der er diesen Gegenstand erforschte, wurde er in Wissenschaftskreisen bald ,,der deutsche Lenné“ genannt. Eine Reihe von Pilzarten ist nach ihm benannt. Als Entomologe (lnsektenforscher) machte er sich 1766 einen Namen mit den Elementa entomologica. Einleitung in die Insectenkenntnis. Bemerkenswert ist, dass die Texte durchweg auf Latein und auf Deutsch verfasst sind. (ln Halle hatte Christian Thomasius um die Jahrhundertwende zum 17. Jahrhundert begonnen, Rechtsvorlesungen auf Deutsch statt in der damaligen Kirchen- und Wissenschaftssprache Latein zu halten.) Schaeffer war außerdem als technischer Forscher und Entwickler tätig. Er erforschte physikalische Fragestellungen der Elektrizitätslehre, der Farbenlehre und der Optik. Er fertigte Linsen und Prismen. An der Entwicklung und Verbesserung technischer Geräte wie Sägemaschine, Backofen und Brennspiegel war er maßgeblich beteiligt. Eine wesentliche Erfindung wurde zwar in mehrere Sprachen übersetzt, sollte aber erst um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert in Verbindung mit der Elektrizitat größere Verbreitung finden: die Waschmaschine. insgesamt hat Schaeffer 20 naturwissenschaftliche, 13 technische und 4 theologische Schriften veröffentlicht.

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